Die Geschichte der Narrenzunft Piraten vom Untersee

Bis Anfang der 50er Jahre gab es in Öhningen nicht wirklich eine Fasnacht. Einige Personen aus dem Dorf verkleideteten  sich und machten Spaß im Dorf. Allerdings wurde schon zu dieser Zeit von der Gemeinde und den Waldarbeitern am Schmutzige Dunschtig ein Narrenbaum aufgestellt. Damals schlossen sich einige junge Burschen aus dem Dorf zusammen und bildeten eine Hexengruppe. Dies waren Ernst Massler, Herbert Massler, Otto Massler, Otto Bilger und Otto Leutze.

 

Das Erscheinungsbild war folgendes: schwarzer langer Rock, darunter eine weiße lange Spitzenunterhose, eine blaue Bluse mit weißen Punkten, grüne Schürze und ein rotes Kopftuch, Strohschuhe und ein Strohzopf/Schwanz.  Eine Gummimaske möglichst mit Hakennase und Warze war ganz wichtig , diese wurde auch mit 2 Holzstäbchen bestückt, so dass es auch noch kleine Hörner gab.

 

Natürlich durfte ein Hexenwagen auch nicht fehlen, also wurde ein richtiges Hexenhäuschen auf einen  Wagen gebaut mit rauchendem Kamin und einer Katze auf dem Dach.

So begann die eigentliche Fasnacht in Öhningen. Im Laufe der Jahre sucht man eine Lokalität, in der man Fasnacht feiern konnte. Bald wurde man fündig. Unterm Rathaus waren Kellerräume frei, die mit gewachsenem Boden und Lattenrosten versehen waren.  Dies war die Geburtsstunde des heutigen Hexenkellers.

 

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Fasnacht immer mehr im Dorf. Man wollte die rheinische Fasnacht / Karneval kopieren mit Funkengarde, Prinzessin und Piratenpolizei.  Es wurde aber bald erkannt, dass diese Art von Fasnacht nicht in unsere Region passte und man suchte nach einer Idee, die zum Dorf passte. Also wurde 1959 die Narrenzunft „Piraten vom Untersee“ gegründet.

Werner von Schrotzburg in Schienen nutzte die Burg  Oberstaad um von dort seine Raubzüge und Schiffe zu überfallen, die see- und rheinabwärts fuhren. Der Turm der Burg Oberstaad ist heute noch auf mehreren Abzeichen zu sehen. Deshalb war die Burg Oberstaad (der Turm) das erste Symbol der Zunft . Der Turm wurde nachgebaut und als Wagen bei Umzügen mitgeführt.

Der 1. Narrenpräsident der Piraten war Maurermeister Eugen Sieber und die ersten Häser /Kostüme wurden  in St. Gallen ausgeliehen.

Mit der Zeit wurde ein eigenes Piratenhäs kreiert, dass wir in dieser Form bis heute haben.

Bald brauchte man ein Narrenschiff, das bei Umzügen mitgeführt wurde. Deshalb wurde 1979 der erste "Galgenvogel" gebaut. Diese Tradition ist ein wichtiger Bestandteil und damit wir weiterhin diese Tradition pflegen können, wurde 2016 ein neuer "Galgenvogel" gebaut.

 

Die größte Herausforderung für den Verein war der schrittweise Ausbau des Hexenkellers . Dies dauerte insgesamt fast 15 Jahre, bis dieser so war wie wir ihn heute antreffen. In unzähligen Arbeitsstunden wurde gegraben, dickstes Mauerwerk durchbrochen, eine Bar und vor allem die Toilettenanlage war eine riesige Herausforderung.

 

Im Jahr 1969 erschien an Fasnacht plötzlich eine neue Fasnachtsfigur – ein Plätzle-Häs. Ursel und Josef Zimmermann hatten die Idee und haben diese auch umgesetzt. Die Zunft wusste damals nicht wie sie mit der neuen Fasnachtsfigur umgehen sollte. Zunächst wurde also ein Wettbewerb ausgeschrieben um einen passenden Namen für die Plätzle zu finden. 

Der Name „Eselszungen“  war die Lösung und der Gewinner.

Heute ist die „Eselszungen-Gruppe“ eine sehr aktive und große Gruppe innerhalb der Zunft  geworden. Vor einigen Jahren  wurde für die Eselszungen auch eine Eselmaske geschaffen, die einen tollen Auftritt der Gruppe darstellt.

Der Name „Eselszungen“ ist auf den Spitznamen der Öhninger zurückzuführen – nämlich „Öhninger Esel“.

 

Die Narrenzunft  „Piraten v. Untersee“ hat sich in all den Jahren hervorragend entwickelt,.

Die ersten „ Bunten Abende“ im Hexenkeller wurden 1963 von Otto Massler und Otto Leutze aufgeführt, davor gab es nur sogenannte Fasnachtsbälle oder Kappenabende im damaligen „ Engelsaal“. In vielen Jahren Jahren waren Otto + Otto ein Begriff , unzählige Auftritte mit sehr großem Unterhaltungswert wurden geboten.

 

Heute finden diese „Bunten Abende“ , die in der Regel von hoher Qualität und beliebt , alle 2 Jahre statt. Auch das Brauchtum und die Straßenfasnacht wird alljährlich gepflegt  und mit viel Freude und Arbeitseinsatz  umgesetzt.